Flyer Gemeinschaftliches Wohnen
Gemeinschaftliches Wohnen: Gemeinsam planen, gemeinsam leben
Gemeinschaftliche Wohnprojekte schaffen mehr als Wohnraum: Sie verbinden Menschen, Ideen und Orte zu nachhaltigen und selbstbestimmten Lebensgemeinschaften. Im Mittelpunkt stehen Partizipation, Gemeinschaft und die gemeinsame Gestaltung des eigenen Wohnumfelds.
Kollaboratives Wohnen braucht Engagement, Zeit und Mut – eröffnet dafür aber die Möglichkeit, Wohnen neu zu denken und gemeinschaftliche Ressourcen tatsächlich nutzbar zu machen.
Die Vorteile sind vielfältig:
Wirtschaftlich: Gemeinsames Nutzen (Sharing) reduziert Kosten auf mehreren Ebenen: bei Anschaffung und Betrieb, bei Organisation und Verwaltung, aber auch durch das Teilen von Wissen und Fähigkeiten. Werkzeuge, Geräte, Fahrzeuge oder andere Dinge des täglichen Bedarfs müssen nicht von jeder Person einzeln angeschafft werden. Auch gemeinsame Arbeitsformen, Co-Working oder gegenseitige Unterstützung bei selbstständiger Arbeit können wirtschaftliche Ressourcen besser nutzbar machen.
Sozial: Durch regelmäßige Begegnungen und gegenseitige Unterstützung entsteht ein soziales Netz, das im Alltag trägt. Ältere Menschen, Eltern und Kinder können voneinander profitieren; Kinder erleben mehrere vertraute Bezugspersonen und ältere Menschen bleiben leichter in den Alltag eingebunden. Nachbarschaftliche Kontakte schaffen Sicherheit und können Vereinsamung entgegenwirken. Gemeinschaftliches Wohnen kann damit Funktionen übernehmen, die früher stärker selbstverständlich waren – ein soziales Netz, das im Alltag trägt, statt erst im Notfall aktiviert zu werden.
Reduzierte Raumressourcen: Gemeinschaftlich genutzte Räume ermöglichen eine geringere individuelle Wohnfläche, weil Funktionen wie Gästezimmer, Werkstatt, Arbeitsraum, Waschküche oder große Aufenthaltsbereiche nicht in jeder Wohnung vorhanden sein müssen. Dadurch lassen sich Bau- und Betriebskosten sowie der Ressourcenverbrauch reduzieren. Gleichzeitig entstehen mehr Möglichkeiten für Begegnung und eine stärkere Identifikation mit dem gesamten Wohnprojekt. Der eingesparte private Raum wird dabei durch Räume ergänzt, die allen zur Verfügung stehen und dadurch vielfältiger genutzt werden können.
Selbstbestimmung: Die gemeinsame Planung und Gestaltung des Wohnumfelds führt zu konkreter Selbstwirksamkeit. Bewohner entscheiden nicht nur über ihre eigene Wohnung, sondern auch über Räume und Strukturen, die alle betreffen. Dadurch entsteht eine stärkere Identifikation mit dem Wohnort und zugleich ein Bewusstsein dafür, dass gemeinschaftliche Entscheidungen auch gemeinsame Verantwortung bedeuten. Die eigene Freiheit wird dabei nicht aufgehoben, sondern mit den Möglichkeiten der Gruppe verbunden.
Ökologisch: Das Teilen von Räumen, Geräten und Gegenständen reduziert den Bedarf an Fläche und Ressourcen. Reparieren, Wiederverwenden, gemeinschaftliche Mobilität und eine bewusste Nutzung von Energie können Teil des alltäglichen Lebens werden. Auch der geringere individuelle Wohnflächenbedarf wirkt sich auf Bau- und Betriebsenergie aus. Nachhaltigkeit wird dadurch nicht nur als individueller Verzicht erlebt, sondern als gemeinsam organisierte Lebensweise, deren Nutzen für alle unmittelbar erfahrbar wird.
Gesellschaftlich: Gemeinschaftliche Wohnprojekte verbinden Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebenssituationen und Hintergründe und schaffen damit soziale Kontakte, die über den eigenen Haushalt hinausgehen. Werden Gemeinschaftsräume, Arbeitsmöglichkeiten oder andere Angebote auch für die Nachbarschaft geöffnet, können Menschen teilhaben, denen sonst geeignete soziale oder kulturelle Räume fehlen. Dadurch entstehen Orte für Austausch, gegenseitige Unterstützung, kulturelle Aktivitäten und gemeinsames Engagement. Gemeinschaftliche Wohnprojekte können so zu kleinen sozialen Experimentierfeldern für ein solidarischeres Zusammenleben im Grätzel werden.